Naja, zumindest bis ins Dachgeschoss haben wir uns getraut. Die Anden sind mit rund 7.500 km Nord-Süd-Ausdehnung die längste Gebirgskette der Welt. Insgesamt 54 Gipfel erreichen Höhen über 6.100 Metern, der höchste knapp 7.000 Meter. Für Hobby-Wanderer wie uns, die solche Superlative zwar abschrecken, die aber dennoch ein bißchen Höhenluft schnuppern wollen, gibt es in der Nähe von La Paz eine bequeme Alternative.
Chacaltaya
Auf rund 5.400 Metern erhebt sich der Gipfel des Chacaltaya. Dort oben befand sich einst das erste und einzige Skigebiet Boliviens, das zugleich als das höchste der Welt galt. Wichtige Skimeisterschaften fanden hier statt, bis der Gletscher im Jahr 2009 aufgrund der Erderwärmung völlig verschwunden ist. Heute erinnern nur noch die verrosteten Überreste des angeblich ältesten Schlepplifts von Südamerika an schneereichere Zeiten. Was den Gipfel bei Touristen allerdings immer noch beliebt macht, ist die Tatsache, dass er bis auf eine Höhe von 5.200 Metern mit dem Auto befahrbar ist und sich die sportliche Aktivität bei der „Gipfelbesteigung“ daher auf ein Minimum reduzieren lässt.
In Serpentinen windet sich die Schotterpiste den Berg hinauf. Am Ende der befahrbaren Straße klammert sich die halb verfallenen Skihütte des österreichischen Alpenvereins an den Abrgund, als ob sie jeden Moment in die Tiefe stürzen würde. Von hier aus sind es nur noch knapp zweihundert Höhenmeter zum Gipfel, doch die Luft ist extrem dünn und jeder Schritt fällt schwer. Kopfweh, Schwindel und Kurzatmigkeit sind die üblichen Symptome mit denen man zu kämpfen hat, obwohl wir uns schon seit über einer Woche über 3.500 Metern aufhalten. Auf dem Gipfel angekommen macht der Berg seinem Namen alle Ehre, doch die Aussicht und das Gefühl so schnell nicht wieder in vergleichbarer Höhe mit festem Boden unter den Füßen zu stehen, entschädigen für alles.
Vom Gipfel aus – im Hintergrund – gut zu erkennen ist der ebenfalls beliebte, vergletscherte Huayna Potosí mit einer Höhe von 6.088 Metern. Doch dessen Besteigung überlassen wir lieber den richtigen Bergsteigern.
Valle de la Luna
Weitere Sehenswürdigkeit in der Nähe ist das Valle de la Luna, etwa zehn Kilometer südöstlich von La Paz. Das Mondtal besteht aus unzähligen Felsen, Felsspalten, Erdhügeln und kraterähnlichen Formationen, die im Lauf von Millionen Jahren durch starke Regenfälle und Temperaturschwankungen gebildet wurden.
La Paz
In La Paz selbst hatten wir leider weniger Zeit zur Verfügung als geplant, da sich unser Flug hierher um sechs Stunden verschoben hat. La Paz ist der Regierungssitz Boliviens – konstitutionelle Hauptstadt hingegen ist Sucre, das nächste Ziel auf unserer Route – und mit einer Höhenlage von 3.200 bis 4.100 Metern (unter Einschluss des mittlerweile selbstständigen Bezirks El Alto) der höchstgelegene Regierungssitz der Welt. Der Höhenunterschied zwischen El Alto und La Paz von knapp 1.000 Metern führt zu einem spektakulären Ausblick auf die Stadt. Am schnellsten erklimmt man El Alto mit einer der Seilbahnen.
Auf den Straßen der Innenstadt herrscht auch nach Einbruch der Dunkelheit geschäftiges Treiben. Die unzähligen Geschäfte verkaufen alles von nützlich bis skurril, wie beispielsweise Lamaföten, die als Glücksbringer in die vier Ecken eines neuen Hauses eingemauert werden.
Aufgrund der Topographie gibt es in La Paz nur wenige breite Hautstraßen, auf die sich der gesamte Verkehr konzentriert. Das führt praktisch rund um die Uhr zu chaotischen Verkehrsverhältnissen. Da wir uns für die Fahrten zum Chacaltaya und zum Valle de la Luna ein Auto gemietet haben, mussten wir uns gezwungenermaßen durch den Verkehr wühlen. Für wenige Kilometer durch die Stadt benötigt man ohne Probleme über eine Stunde.
Mittlerweile haben wir La Paz verlassen und die letzten zwei Tage in Sucre verbacht. Da es uns beiden nicht besonders gut ging, haben wir es ein wenig ruhiger angehen lassen und die meiste Zeit in Cafés und im Hotel verbracht. Morgen fahren wir dann mit dem Bus nach Uyuni und starten von dort aus unsere Tour durch die Salzpfanne Salar de Uyuni.