Während Kyoto von der Liste der Ziele für den Atombombeneinsatz gestrichen wurde und den Zweiten Weltkrieg weitestgehend unbeschadet überstehen konnte, ging die Geschichte für Hiroshima bekanntermaßen verheerend aus. Am Morgen des 6. August 1945 wurde die Metropole das Ziel des ersten kriegerischen Kernwaffeneinsatzes. Die Druckwelle der Atombome Little Boy in 600 Metern Höhe zerstörte um 8:16 Uhr innerhalb einer Sekunde rund 80 Prozent der Innenstadt komplett. Durch die anschließende Hitzewelle wurde noch in bis zu zehn Kilometern Feuer entzündet. Rund 80.000 Menschen wurden sofort getötet. Denjenigen, die sich im innersten Stadtkern aufhielten, verdampften buchstäblich die obersten Hautschichten. Der gleißende Blitz der Explosion brannte Schattenrisse von Personen in stehengebliebene Hauswände ein, ehe die Menschen von der Druckwelle fortgerissen wurden. Weitere rund 80.000 Menschen starben an den Spätfolgen der Strahlung.
Nahezu unmitelbar unter dem Ort der Explosion befand sich das Gebäude der Industrie- und Handelskammer, das größtenteils zerstört wurde und völlig ausbrannte. Dennoch sind einige Gebäudestrukturen, wie etwa das Gerüst des charakteristischen Kuppeldachs, erhalten geblieben. Als Friedensdenkmal wurde es in diesem zerstörten Zustand konserviert und im Jahr 1996 zum Weltkulturerbe erklärt. Das Friedensdenkmal befindet sich im Friedenspark Hiroshima, in dem sich auch das Friedensmuseum und das Kinder-Friedensmonument befindet. Letzteres wurde 1958 errichtet und Sadako Sasaki gewidmet, die 1955 im Alter von zwölf Jahren an den Spätfolgen der Verstrahlung verstarb.
Heute ist Hiroshima wieder ein lebendige Stadt und mit ihren breiten Boulevards, unzähligen Restaurants und riesigen Einkaufsarkaden alles andere als deprimierend. Als richtig schön möchte man sie allerdings auch nicht bezeichnen – das liegt vielleicht nicht zuletzt an den etwas zusammengewürfelt aussehenden Gebäuden und den unzähligen Stromleitungen, die ständig über einem zu schweben scheinen.
Miyajima
Unmittelbar vor der Küste Hiroshimas befindet sich die Insel Miyajima, die zu den drei schönsten Landschaften Japans gehören soll. Der Name bedeutet wörtlich übersetzt etwa „Schrein-Insel“ und deutet auf den Itsukushima-Schrein hin, dessen Hauptgebäude unmittelbar vor der Insel auf Pfeilern im Wasser ruhen, so dass die ganze Anlage zu schwimmen scheint – zumindest bei Flut. Weltweite Berühmtheit erlangte der Schrein aber durch sein hölzernes Eingangstor (torii), das etwa 160 Meter vor dem eigentlichen Gebäude im Wasser steht – auch das nur bei Flut – und wahrscheinlich eines der meistfotografierten Wahrzeichen Japans ist.
Die höchste Erhebung der Insel ist der 535 Meter hohe Berg Misen, der angeblich erstmals von dem buddhistische Mönch Kūkai besiedelt wurde – jenem, der auch als Kōbō Daishi bekannt ist und den Tempel in Kōya-san begründet hat. Im Jahre 806 soll er sich 100 Tage lang für asketische Übungen auf den Berg zurückgezogen haben.
Man kann den Berg entweder zu Fuß oder mit der Seilbahn erklimmen. Wir haben uns zumindest bergauf für die sportliche Variante entschieden – die, wenn man im Nachhinein die Menschenschlange an der Talstation gesehen hat, wahrscheinlich auch die schnellere Variante war.
Das Wetter ist hier gerne wechselhaft bewölkt. Nachdem wir bei Sonnenschein den Berg hinaufgewandert sind, standen wir auf dem Gipfel mitten in einer Regenwolke. Die zog beim Abstieg aber auch schon wieder weiter.
Ansonten kann man durch die Gassen des gleichnamigen Dorfes Miyajima schlendern, die restlichen Tempel erkunden, Kaffepausen einlegen oder die kulinarische Spezialität der Insel probieren: Gegrillte Austern.
Südwestlichste Station unserer Reise ist Nagasaki. Dort sind wir gestern angekommen und hatten heute leider ein wenig Pech mit dem Wetter. Morgen fahren wir in rund acht Stunden in Richtung Tokio zurück, bleiben aber noch zwei Tage am Berg Fuji bevor wir die letzten beiden Nächte in Tokio verbringen.