Gerade mal 2.563 m überragt Südtirols Wahrzeichen den Meeresspiegel. Was für uns Flachlandtiroler gewaltig klingt, ist dort eigentlich nicht der Rede wert. Bereits in rund 3 km Entfernung wird er von der Roterdspitze überragt, der nahegelegene Langkofel bringt es auf 3.181 m und nach weiteren 12 km Entfernung überragt die Marmolada mit ihren 3.343 m ohnehin den gesamten Rest der Dolomiten. Daher ist es auch nicht die Höhe, die den Schlern zu einem der bekanntesten Berge in der Region gemacht hat, sondern vielmehr dessen charakteristische, stockartige Form, die aufgrund seiner recht vorteilhaften Position als Westpfeiler der Dolomiten von vielen Gipfeln im Umkreis gut zu erkennen ist.
Wenn man alle 500 Jahre schon mal einen Feiertag geschenkt bekommt, muss man den natürlich nutzen. Wir sind daher spontan für ein paar Tage nach Südtirol gefahren und haben uns auf den Weg zum Gipfel begeben. Eigentlich keine große Sache, dachten wir – beschrieben als mittelschwere Tour, die man auch gut mit Kindern gehen kann. Nach einer Strecke von rund 23 km, nach 1.370 erkämfpten Höhenmetern und siebeneinhalb Stunden später waren wir dann aber doch recht froh, dass uns die Gondel die letzten Meter zum Auto erpart hat.
Unsere Wanderung beginnt in Kompatsch auf der Seiser Alm. Wer nicht mit dem Auto auf die Alm fahren möchte, nimmt die Gondel von Seis und erreicht von dort Europas größte Hochalm in wenigen Minuten. Der Anstieg über die Seiser Alm beginnt gemächlich. Ein Blick auf die gewaltige Schlerngruppe zur Rechten lässt jedoch erahnen, dass es nicht so bleiben wird. Da der Winter bereits naht – die ersten Schneekanonen sind sogar schon in Betrieb – sind die Wiesen nicht mehr ganz so saftig und grün, aber die Aussicht ist bei wolkenfreiem Himmel großartig.
Nach rund zwei Stunden haben wir die Rosszahnscharte erreicht und überqueren den Kamm der Schlerngruppe zur südlichen, der Seiser-Alm abgewandten Seite. Nun geht es wieder leicht bergab, doch man ahnt es schon: Die vernichteten Höhenmeter muss man sich wieder erkämpfen. Vorbei am Schutzhaus Tierser Alpl – für eine kurze Einkehr sind wir leider etwas zu spät aufgebrochen – schlängelt sich der Weg hinauf zum Hochplateau des Schlern.
Über die Hochebene des Schlern fällt der Weg erneut ab bis zum dritten und für heute letzten Gipfel: Dem Petz, der höchsten Erhebung des Berges. Wem das noch nicht genügt, der kann noch bis zum Burgstall am nördlichen Rand des Berges weiterlaufen. Für uns reicht es heute jedoch und wir machen uns über den sogenanten Touristensteig – der seinen Namen nicht den vielen Toursiten verdankt, die ihn nutzen, sondern nach seinen Erbauern, den Mitgliedern der Bozener Sektion des „Österreichischen Touristenclubs“ benannt wurde – zurück auf den Weg zur Seiser Alm.
Das Abendessen hatten wir uns jetzt verdient und der Muskelkater ließ am nächsten Tag nicht lange auf sich warten, aber das Wetter und die Aussicht waren wirklich großartig.